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„Ich möchte den Ort, an dem ich lebe, mitgestalten“ oder wie das Montessori-Institut nach Müncheberg kam

Zwischen Taxi-Kühn und der Volksbank sind in der Ernst-Thälmann-Straße 69 in Müncheberg bunte Fensterscheiben zu bestaunen. Ist es ein neuer Spielzeugladen? Was kann ich hier erwerben? Hemden und Blusen gibt es auch nicht zu kaufen. Nein: Im seit Sommer 2025 eröffneten Laden von Manuela Drewas wird Bildung angeboten: Ein Ort des Lernens, des Austausches und des Ausprobierens. Ein Institut gewidmet der Pädagogik nach Maria Montessori.

Manuela, du bist seit 10 Jahren Ausbilderin für Montessori-Pädagogik. Was ist das Montessori-Institut und wie kam es nach Müncheberg?

Manuela: Durch meine eigenen drei Kinder bin ich zur Montessori-Pädagogik gekommen. Maria Montessori (1870-1952) war eine italienische Ärztin, die neue Methoden für die kindliche Entwicklung erprobte. Daraus entwickelte sie ihre Pädagogik, die viel auf den eigenständigen sinnlichen Erfahrungen der Kinder basiert. Ich selbst habe, nachdem ich als Tischlerin gearbeitet hatte, Sozialpädagogik an der Alice-Salomon-Hochschule studiert und schließlich als Ausbilderin für Erzieher in Fürstenwalde unterrichtet. An der Berufsschule habe ich den Bereich Montessori-Pädagogik mitbegründet und bin dadurch Dozentin an dem Institut „MONTESSORI heute“ geworden. Im Februar 2024 übernahm ich offiziell die Leitung von der Gründerin Ingrid Geßlein und hatte einen Raum gesucht. Ich bin in die Leitungsposition ein wenig reingestolpert und daran gewachsen. Ich wollte den Hauptsitz nicht in Berlin belassen, ich möchte den Ort, an dem ich lebe, mitgestalten und das ist Müncheberg. So kam das Montessori-Institut nach Müncheberg. Wie ich in diese Stadt kam, ist eine andere Geschichte. Mein Mann Detlef Drewas hat ein Haus für seine eigene pädagogische Einrichtung gesucht. Er betreut eine lerntherapeutische Tagesgruppe und durch die Raumsuche sind wir im ehemaligen Schützenhaus in Müncheberg gelandet. Weil das Haus so viel Platz barg, sind wir kurzerhand von Hangelsberg nach Müncheberg umgezogen. Die Arbeit vom LOL „Lebensweltorientiertes Lernen“ im Schützenhaus unter Leitung von Detlef Drewas und die Montessori-Pädagogik sind eng miteinander verwoben, so kommt bspw. zweimal pro Woche eine Gruppe vom LOL zur Lerntherapie bei mir vorbei. Zusätzlich haben auch vier pädagogische Mitarbeitende  aus dem LOL das Montessori-Diplom bei mir absolviert. Wir ergänzen und unterstützen uns gegenseitig und bilden ein starkes Netzwerk. 

Welche Gruppen betreust du noch in deinem Raum und welche Angebote gibt es in dem Montessori-Institut?

Manuela: Ich möchte einen Lern- und Erlebnisraum für alle schaffen. Heutzutage sind unsere Sinne wie Sehen und Hören vom ständigen Medienkonsum völlig überreizt. Die Entwicklungsmaterialien von Maria Montessori wirken dem entgegen und fördern den Tastsinn, das eigene Begreifen durch Greifen. Über Übungen mit einfachen Figuren wie dem Quader, dem Zylinder, der Pyramide machen die Kinder Erfahrungen, lernen zu vergleichen, zu kategorisieren, erforschen die Eigenschaften. Wenn die Sinne gut geschult sind, können Kinder einfach besser lernen. Zusätzlich ist die Haltung der Pädagoginnen oder Pädagogen entscheidend. Wir vertrauen dem Kind, dass es von sich aus lernen möchte und lernen kann und auch seine eigenen Fehler machen darf. Zu den Montessori-Lernkursen kommen Kinder aus der Grund- und der Freien Schule Müncheberg. Es gibt auch einzelne Kinder in der Förderung von Mathematik. Ich möchte sehr gern viele Kinder auf ihrem Weg begleiten. Schon Maria Montessori sagte: „Alles, was ich weiß, weiß ich von den Kindern.“ Neben der pädagogischen Arbeit ist das Herzstück des Instituts die Fortbildung von interessierten Menschen. Dazu organisiere ich bundesweit zweijährige Montessori-Diplom-Lehrgänge, um in die Förderung der ganzheitlichen Lernerfahrung einzutauchen.

Das Institut ist bundesweit aktiv mit 5 Dozentinnen als Team. Der Hauptsitz des Montessori-Instituts befindet sich in Müncheberg. Wo können Interessierte noch die Montessori-Diplom-Lehrgänge besuchen und an wen genau richten sich die Weiterbildungen? 

Manuela: Neben Müncheberg kann der Lehrgang an fünf weiteren Standorten in Deutschland besucht werden: In Coburg, Hof, Chemnitz, Berlin, und Jena. Derzeit sind wir dabei, zwei weitere Standorte in Gotha und Bad Salzungen aufzubauen. Unser Diplom ist standardisiert und bundesweit anerkannt. Pädagogisch Arbeitende brauchen den Lehrgang beispielsweise, um an Montessori-Einrichtungen tätig sein zu können. Grundsätzlich ist die Weiterbildung für alle Menschen offen. Ich hatte bereits interessierte Mütter sowie Lehramtsstudierende. Besonders freue ich mich über die regionale Vernetzung. In den Kursen waren bereits Erzieherinnen der KITA Spatzennest und aktuell nehmen Lehrerinnen der Grundschule Müncheberg teil. Meine Hoffnung ist es, die Montessori Pädagogik mehr in die Fläche zu bringen. Ich gebe gern kleine Weiterbildungen an Schulen. Hierzu könnt ihr mich jederzeit ansprechen. Besonders begeisterte mich, dass ein Bekannter vom Karatekurs in Müncheberg durch ein Praktikum zur Erzieherausbildung im LOL kam und nun bei mir Praktikant der Lernwerkstatt Sprache ist. Ich möchte Menschen meiner Umgebung motivieren sowie Interessierte mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenbringen. Ganz konkret ist es mir ein Anliegen, hier in Müncheberg das Netzwerk zu stärken.

Wohin darf die Reise weitergehen, was stellst du dir für die Zukunft vor? Was kann sich noch auf deinen 100 qm Laden in der Müncheberger Innenstadt entwickeln?

Manuela: Ich wünsche mir Bildungsgerechtigkeit, die allen Kindern zugutekommt. Ich möchte keine Eliten fördern, sondern meinen Raum für alle Kinder öffnen. Wir stricken dafür an neuen Projekten und die Kooperationen mit Kitas und Schulen können noch weiter wachsen. Die Gesellschaft verändert sich und somit auch die Anforderungen an die Kinder. 65% der Berufe, die unsere Kinder später ausüben werden, gibt es noch nicht einmal (laut World Economic Forum). Ich möchte Kinder darin stärken, selbstständig zu denken, Fragen zu stellen und eigene Ideen zu entwickeln. Das ist ein zentraler Kern meiner Pädagogik. Die Montessori-Materialien sind oft teuer und hier im Laden stehen sie zur Verfügung. Ich möchte daher einladen, diese Art des Lernens auszuprobieren, sich einfach mal darauf einzulassen. Am Donnerstag von 8:00-9:00 Uhr und von 12:00-17:00 Uhr öffne ich meinen Raum für alle Interessierten mit Fragen, Ideen und Vorschlägen, also kommt gern vorbei. Ihr seid alle herzlich eingeladen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Von Lea Nitz

 

Wenn ihr mehr über das 

Montessori-Institut erfahren wollt: 

DER TAG in Berlin & Brandenburg: Montessori-Institut Müncheberg – Neuer Hauptsitz eröffnet – hier anschauen

Die Arbeit von Manuela wird von ARD kurz vorgestellt:

DER TAG in Berlin & Brandenburg: Montessori-Institut Müncheberg – Neuer Hauptsitz eröffnet

 

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