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Heute schon gekichert?

Noch nicht alle kennen und genießen die leckere Kichererbse, ob in Suppen, püriert zum würzigen Hummus oder als frittierte Falafel-Bällchen, doch sie ist schon längst eine keimende Hoffnung auf Brandenburgs trockenen Äckern. Um die regionale Landwirtschaft zu unterstützen, braucht es das eine oder andere neue Rezept mit den kichernden Erbsen.

Kurz hinter Seelow erstrecken sich die weiten Ackerflächen des Guts Friedersdorf, seit 2021 geleitet vom Landwirt Bernhardt von der Marwitz. Hier werden u. a. Weizen, Gerste, Roggen und Dinkel nach den Richtlinien von Bioland angebaut. Der ökologische Landbau kommt ohne industriell hergestellten Stickstoffdünger und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel aus. Stattdessen setzen Bio-Bäuerinnen und -Bauern auf organische Nährstoffe aus der Tierhaltung, Kompost und in besonderem Maße auf die bewährte Methode der Fruchtfolge, bei der auf einem Acker nacheinander unterschiedliche Kulturen angebaut werden. Dass der Weizen zum Gedeihen genug Stickstoff im Boden findet, muss zuvor ein Pflänzchen den Stickstoff in den Boden einbringen. Hier kommen die Kichererbse und weitere Leguminosen wie Luzerne zum Einsatz. Wie alle Hülsenfrüchte hat die Kichererbse die wunderbare Fähigkeit, mithilfe von Bakterien den Luftstickstoff in ihren Wurzelknöllchen zu binden und damit den Boden natürlich zu düngen. 

Während die traditionell in Deutschland angebauten Hülsenfrüchte wie Erbse und Ackerbohne immer stärker unter den trockenen Frühsommern leiden, ist die Kichererbse eine neue Hoffnung. Die robuste Frucht aus dem Mittelmeerraum soll nun hier in Märkisch Oderland heimisch werden, da sie mit der Trockenheit besser klarkommt. Bernhardt von der Marwitz, der mit 16 Jahren beschlossen hat Landwirt zu werden und mit 28 Jahren den Familienbetrieb von seinem Vater übernahm, lässt sich auf das Experiment ein. Gleichzeitig betont Bernhardt, dass ohne sein Team und insbesondere seinen Betriebsleiter dieser vielfältige Anbau so niemals möglich wäre. 

Praktische Hilfe vom ZALF   

2021 wurden Kichererbsen das erste Mal auf Gut Friedersdorf und seitdem in weiteren Betrieben der Region angebaut. Bisher ist die Kichererbse noch keine Einnahmequelle, eher ein Verlustgeschäft, doch die Landwirte geben noch lange nicht auf. Im feuchten Oderbruch funktionierte es nicht, auf den trockenen Sandböden der Seelower Höhe lief es zu Beginn besser, doch die Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Ob die Larve der Wurzelfliege, die Temperaturen oder die Feuchtigkeit zur Saat, was genau die Kichererbse nicht wachsen ließ, bleibt noch ein Rätsel. Fakt ist, der Anbau muss erst erprobt werden. Es gibt kein Handbuch und keine KI, die sagt, wie es geht. Dabei hilft das Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. in Müncheberg und begleitet die Anbauversuche. Dr. Moritz Reckling und sein Team vom ZALF/ Leguminosen-Ring kommen vorbei, nehmen Bodenproben, untersuchen das Saatgut, prüfen auf Schädlinge und können ganz konkret weiterhelfen, wo es derzeit hakt. „Wir haben neue Sorten hier in Müncheberg getestet, die den Anbau ermöglichen und sind dem Problem für das schlechte Wachstum in Seelow ganz dicht auf der Spur“, erklärt der in Müncheberg wohnhafte Forscher Moritz. Bernhardt schätzt die Arbeit sehr: „Wir wären vor 2 Jahren aus dem Soja- & Kichererbsenanbau ausgestiegen, wenn es das ZALF nicht gegeben hätte.“ 

Der Herr der Anbauringe 

Die Mitarbeitenden um Moritz vom ZALF haben gemeinsam mit dem Projekt KIWERTa einen „Kichererbsen-Ring“ gegründet, der als ein Zusammenschluss von Landwirten der Region den Kichererbsenanbau voranbringt. So testeten 15 Betriebe in 2025 auf 140 Hektar den Kichererbsenanbau und einzelne waren schon sehr erfolgreich. Um die Ernte an die Kundinnen und Verbraucher zu bringen, etabliert das Projekt KIWERTa Wertschöpfungsketten für die liebe Kichererbse in Berlin und Brandenburg, d.h. es wurden Strukturen von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel aufgebaut. Hierbei ist die im Kichererbsen-Ring gemeinschaftliche Zusammenarbeit von Forschenden, Landwirten und Verarbeitenden hervorzuheben. Sie konkurrieren nicht gegeneinander, sondern unterstützen sich gegenseitig. Isabella Krause, die Leiterin von KIWERTa, berichtet dazu: „Der Kichererbsen-Ring ist das Herzstück der Entwicklung. Hier arbeiten Betriebe, ob konventionell oder ökologisch, gemeinsam an Lösungen, tauschen Erfahrungen aus und gehen neue Wege. Die Kichererbse steht dabei stellvertretend für eine Landwirtschaft, die auf Kooperation setzt und Stadt und Land wieder stärker miteinander verbindet.“ Neben vielen Erfolgen weist Isabella auch auf einige Herausforderungen hin: Es fehlen sowohl Betriebe, die die Kichererbsen in der Region reinigen können, als auch ausreichend Handelsunternehmen, die sie verkaufen. Besonders gefragt sind Kund:innen, die eine Brandenburger Kichererbse wertschätzen und dafür mehr bezahlen, obwohl Kichererbsen aus der Türkei durch niedrigere Produktionskosten deutlich billiger sind. Hier seid eindeutig auch ihr als Leserinnen und Leser angesprochen. 

Kichererbsen auf den Teller 

Bernhardt von der Marwitz, der nicht nur auf seinem Traktor über die Felder zieht, einen Stapel Büroarbeit hat, neben seinen 7 Mitarbeitenden zusätzlich 3 Auszubildende betreut und im Gemeinderat und Ortsbeirat aktiv tagt, ist trotzdem gut gelaunt an einem Samstag auf dem Seelower Foodmarkt anzutreffen, um sich für die Kichererbse einzusetzen. Seine neueste Sorte, die rote Kichererbse „Gulabi“, wächst auch unter schwierigen Bedingungen prächtig und sie könnte zu einem Durchbruch in unserer Region führen. Noch ist sie eher unbekannt und ganz regional erhältlich im Bioladen Nussschale in Seelow oder im Wirtshaus des Kunstspeichers Friedersdorf. Die Botschaft ist klar: Jeder Einkauf trägt dazu bei, neue, resiliente Kulturen in der heimischen Landwirtschaft zu verankern. Die Kichererbse kann eine echte Zukunftspflanze für Brandenburg werden – aber nur, wenn die Nachfrage mitwächst. 

Alles ist untrennbar miteinander verbunden: Neue Ackerfrüchte schenken dem Boden neues Leben, fruchtbare Böden sichern die Zukunft der Landwirtschaft. Doch all das geht nur, wenn die Menschen die neuen regionalen Produkte mit Freude annehmen und genießen. „Wenn wir eine Ernährungswende schaffen wollen, muss eben irgendjemand damit anfangen“, stellt der Bio-Landwirt Bernhardt klar fest. 

Von Lea Nitz 

Viele Kichererbsenrezepte – wie die Kichererbsen-Lauch-Suppe – findet man  in folgendem Rezeptbuch, das kostenlos heruntergeladen werden kann.

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