Siedlungsverkehr: Betroffenheit sehr unterschiedlich
Eins ist klar: Es ist ein Müncheberger Thema, zu dem quasi alle etwas zu sagen haben. Auch viele, die gar nicht in der Müncheberger Siedlung wohnen. Denn die Verkehrsorganisation, über die zuletzt in zwei Bürgerforen in der Stadtpfarrkirche diskutiert wurde, wird schon seit vielen Jahren kontrovers behandelt.
Dass sich viele Autofahrende nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Tempo 30-Zone halten, ist nur eins von vielen Problemen. Wobei dazu schon die nicht zu beantwortende Frage gehört: Sind die (zu) Schnellfahrer Anwohner oder nutzen da Berufspendler einfach die Durchfahrten und Abkürzungen? Wenn 2000 Menschen in der Siedlung wohnen und bei einer Verkehrszählung im Schwarzen Weg an einem Tag 1000 Fahrzeuge gezählt wurden, so könnten dies, wie ein Anwohner beim 2. Bürgerforum bemerkt, doch auch alles Anrainer gewesen sein.
Aber es ist auch eine Frage der Perspektive – heißt, eine Frage des konkretes Wohnortes in der Siedlung: wohnt man an einer Durchgangs- oder Nebenstraße, an einer unbefestigten oder befestigten Straße – aus Betonplatten, Asphalt oder Kopfsteinpflaster. Wiederkehrend wurde in den letzten Jahren auf die unsichere Situation von Fußgängern und Radfahrenden verwiesen – hierbei vor allem auf Kinder und Ältere. Es gäbe sicher für alle gute Gründe, diesem Teil der Bevölkerung mehr Sicherheit gegenüber (schnellem) Autoverkehr zuzugestehen.
Klar ist: Aus dem Stand konnte und kann es keine für alle zufriedenstellende Lösung geben. Davon zeugen nicht nur die bisherigen Maßnahmen, die nicht mit massiven Einschränkungen verbunden waren, mit denen vielmehr versucht wurde, hier und da etwas entgegen zu lenken. Das Problem zunehmenden Durchgangsverkehrs bis hin zur Raserei haben sie kaum berührt. Auch die Revierpolizei hat laut eigener Aussage kaum Kapazitäten, sich hier beispielsweise mit regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen zu beteiligen.
Auch mit dem nötigen Geld ist es laut Roman Wagner von der Stadtverwaltung schwierig: Seit Anfang 2019 (Abschaffung der Straßenausbaubeiträge in Brandenburg), erhält die Stadt jährlich bis zu 150.000 Euro als sogenannten Mehrbelastungsausgleich vom Land. Gemessen an rund 100 Kilometern Straßen im Stadtgebiet seien die bisher eingegangenen 1,11 Millionen Euro jedoch nicht viel. Zwölf Maßnahmen stadtweit seien schon umgesetzt und noch rund 490.000 Euro übrig. Maßnahmen wie eine Schotterung der 600 Meter langen Grünstraße seien teuer, erklärt Wagner, 100.000 Euro werden allein dafür veranschlagt.
Die Verwaltung hat daher einen Vorschlag für Verkehrsberuhigung und -minimierung präsentiert, der nicht ganz neu ist, aber unter den Umständen erneut diskutiert werden kann. Er sieht vor, Waldstraße, Rudolf-Breitscheid-Straße und Schwarzen Weg an bestimmten Stellen für den Durchgangsverkehr zu sperren – auf provisorischer Basis für einen festgelegten Zeitraum. Das Straßenverkehrsamt würde einen solchen Testlauf für ein Jahr mittragen, hieß es beim Forum. Auch mit dem Brandschutz gebe es kein grundsätzliches Problem, weil die Sperrungen bei der Leitstelle hinterlegt werden und auch die Müllabfuhr werde in die Klärung einbezogen.
Das Stimmungsbild dazu, dass auch Bürgermeister Streichert beobachtete, brachte großen Rückhalt für einen drei- bis sechsmonatigen Testlauf. Viele meldeten sich „für eine gemischte Variante, bei der etwa die Waldstraße frei befahrbar bleibt, aber Kunststoff-Aufpflasterungen, sogenannte Kissen, zur effektiven Temporeduzierung erhalten würde“, wie es in der MOZ dazu hieß (. Auf Asphalt seien diese gut aufzubringen, nicht aber auf dem großformatigen Kopfsteinpflaster der parallelen Rudolf-Breitscheid-Straße, wurde erläutert.
Ende Mai sollen diese und weitere Erkenntnisse aus dem Bürgerforum im Bauausschuss ausgewertet werden. Allerdings, das muss gesagt werden, waren viele Bewohner dort gar nicht erschienen. Florian Krüger, Vorsitzender des Bauausschusses, spricht sich daher unbedingt für eine Bürgerumfrage aus, welche alle Anwohner der Siedlung erreicht und in den Entscheidungsprozess zu möglichen Varianten mit einbezieht. Für eine bessere und efektivere Zusammenarbeit würde er sich wünschen, dass Anträge aus den Ausschüssen durch die Verwaltung aufgenommen und umgesetzt werden, erklärt Krüger.
Abschließend kann noch gesagt werden, dass das Thema Siedlungsverkehr kein originäres Thema ist, mit dem sich die Stadtverordnetenversammlung als solche beschäftigen oder worüber sie abstimmen muss, da es allein den Ortsteil Müncheberg (und somit den Ortsbeirat) betrifft. Aber wie eingangs erwähnt: Beim Thema Siedlung reden viele mit.
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